Expertentalk mit DENIC-Vorstand Andreas Musielak

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Ein Interview über Millionensprünge, Wachstumsfaktoren und Domainpotenziale

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Mitte Juli war es soweit, die 17-millionste Domain mit der deutschen Länderkennung wurde registriert. Ein guter Anlass, den Vorstand der Registrierungsstelle DENIC, Andreas Musielak, zum aktuellen Wachstum und seiner Prognose für die weitere Entwicklung zu befragen.

Ein Millionensprung ist auch im temporeichen Internetgeschäft nicht alltäglich. Wie lange liegt es zurück, dass eine Millionenmarke überschritten wurde?

Ja, das stimmt, eine Million neue .de-Domains ist immer etwas besonders. Das letzte Mal wurde eine solche Marke mit 16 Millionen vor fast sechs Jahren übersprungen – exakt im November 2015. Die Million zuvor, also die 15., hatten wir im April 2012 binnen 3,5 Jahren erreicht.

Auch nach den von Ihnen genannten Zahlen war das Domainwachstum in den vergangenen Jahren etwas abgeflacht, wie lässt sich das aktuell enorme Wachstum erklären?

Tatsächlich betrug der Zuwachs an .de-Domains im ersten Halbjahr 2021 mit mehr als 280.000 einen Wert, der zuletzt im Jahr 2012 übertroffen wurde. Die derzeitige positive Entwicklung lässt sich jedoch nicht mit allein einem Faktor erklären. Die allgemein zunehmende Digitalisierung ist hier sicher eine wichtige Triebfeder, aber auch eine insgesamt rückläufige Zahl an Domainlöschungen trägt beispielsweise zum Wachstum bei. Gerade im Juli wurde die geringste Anzahl an Löschungen innerhalb der letzten 15 Jahre verzeichnet. Ein deutlicher Hinweis auf die anhaltende Relevanz von .de-Domains.

Sie haben die zunehmende Digitalisierung als Wachstumsfaktor angesprochen. Können Sie darauf etwas genauer eingehen?

Natürlich hat auch Corona als Beschleuniger fungiert. Einer durch das Bundeswirtschaftsministerium geförderten aktuellen Gründer-Studie zufolge basierten ein Viertel der Unternehmensgründungen in Deutschland im Jahr 2020 auf Gelegenheiten, die erst durch die Corona-Krise entstanden sind. Produkte, Dienstleistungen und Geschäftspraktiken an digitale Geschäftsmodelle anzupassen, wird zunehmend als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor verstanden. Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom plante Ende 2020 fast jeder zweite Befragungsteilnehmer, das eigene Unternehmen nachhaltig zu digitalisieren. Solche Entwicklungen gehen erfreulicher Weise häufig mit der Entscheidung für eine passende Domain, insbesondere unter .de, einher.

Spielen Domains in Zeiten von sozialen Medien noch eine wichtige Rolle?

Aus DENIC-Sicht eindeutig ja. Multichannel-Kommunikation ist heute gängige Praxis und ermöglicht ein zielgruppen- und medienspezifisches Informationsangebot. Eine Domain bietet größte Souveränität bei der Informationsgestaltung und ist damit oft das Herzstück der digitalen Repräsentanz und somit ein unverzichtbares Element im Spektrum der Kommunikationskanäle. Zudem lässt sich eine Domain Schritt für Schritt erweitern und an neue oder veränderte Bedürfnisse anpassen. Einen kleinen Onlineshop oder einen Blog zu integrieren ist ein weiterer Trend, der aus unserer Sicht durch Corona verstärkt wird. Zunehmend nutzen Kleinunternehmer die Möglichkeit ihre Services über eine .de Domain zu vermarkten. Dazu passt, dass Registrierungen durch Personen gegenüber denen von Organisationen und Unternehmen leicht zugenommen haben.

Lassen sich in den letzten Jahren weitere Veränderungen bei der Zusammensetzung des Domainbestand feststellen?

Vergleichende Stichproben der Jahre 2019 und 2021 haben ergeben, dass das Wachstum recht gleichmäßig verteilt ist. Es zeigt sich aber, dass .de immer internationaler wird. Die Anzahl der Domaininhaber aus aller Welt nimmt stetig und immer schneller zu. In dem Zeitraum, in dem der Domainbestand von 16 auf 17 Millionen gewachsen ist, hat sich der Anteil der Domaininhaber außerhalb Deutschlands von rund sieben auf etwa neun Prozent erhöht.

Rechnen Sie damit, dass die Wachstumsfaktoren weiterhin Bestand haben werden bzw. wann könnte DENIC voraussichtlich die nächste Millionenmarke erreichen?

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Digitalisierung weiter voranschreitet und auch Domains Teil einer solchen Entwicklung sind. Rechnet man die aktuellen Daten hoch, könnte eine weitere Million .de-Domains innerhalb von drei Jahren realistisch sein.

Es ist immer wieder die Rede davon, dass attraktive Domains größtenteils bereits vergeben sind. Vor einigen Jahren wurde damit sogar die Einführung neuer generischer Top Level Domains begründet. Wie stehen Sie dazu?

Gerade im Pandemie-Jahr 2020 hat der stärkste Bestandszuwachs für .de binnen acht Jahren gezeigt, dass der Namensraum der weltweit drittgrößten Top Level Domain noch lange nicht ausgereizt ist. Neue Situationen und Gegebenheiten bringen immer wieder Möglichkeiten mit sich, kreative und eingängige Domains zu ersinnen, die noch frei sind und mit denen Registranten ihre Unternehmungen oder Ideen in die Online-Welt tragen können.

Vielen Dank, Herr Musielak, für diese Einblicke und Einschätzungen.